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Schöne Klaviere für alle!
2019-12-13 11:13
Im Foto spielt eine Popsängerin heimlich auf einem Flügel, eigentlich hergestellt für Klassische Musik.

Fast ist es 2020 und noch existieren Pianisten, die denken, es gäbe besondere Klaviere für Klassische Musik und andere für Jazz (oder irgendwelche anderen niederen Genres).
Wer ist schuld an dieser Lüge? Wir Pianohäuser sollten ohne Zweifel Mea Culpa machen - aber das Klischee vom Händler, der versucht, dem Thor ein schrilles, nicht intoniertes oder schlicht niveauloses Klavier zu verkaufen mit dem Hinweis “Das ist perfekt für Jazz!“ wäre nicht möglich ohne ein halbes Jahrhundert der Vorurteile, Diskriminierung, Rassismus, Angst und Ignoranz, vor allem gegenüber der nicht-europäischen Genres.

Aber lassen wir das Thema „Musikalischer Rassismus“ für ein anders Mal und konzentrieren uns auf die technischen Aspekte dieser Lüge.

Ich bin in der Klavierbau-Welt seit 20 Jahren und habe nie Klavierfabriken gesehen, die Modelle nur für ein Genre bauen ???? Das wäre die schlimmste Strategie! „Sorry, wir können es Ihnen nicht verkaufen, das ist nur für Pop.“

Saiten sind Saiten, Resonanzböden Resonanzböden, Tasten Tasten, Mechanik Mechanik und Klang? Klang natürlich. Wir Klavierbauer beschäftigen uns mit den akustischen und technischen Fähigkeiten des Instruments. Wir wissen nicht, wem es gehören und was damit gespielt werden wird. Wir wollen einfach, dass sein Potenzial ausgeschöpft wird. Klaviere sind aber noch komplizierter als das: Jedes Modell aus der Manufaktur ist ein Einzelstück und jedes Einzelstück kann man weiter für den Pianisten personalisieren. Ferner ändert sich der Klang durch das Spielen der Pianisten, weil ein Klavier kein Auto ist (oh je, noch ein schweres Thema) und alle Materialen über die Zeit hinweg reagieren (der Resonanzboden wirkt wie eine Membran, schwingt und schwingt, bis die Holz-Struktur eine Form annimmt - ein bisschen das gleiche Prinzip der Stradivari, die nach 300 Jahren noch interessanter klingen). Und, last but not least, kommt der Techniker zum Zuge: Durch Regulation, Intonation und Stimmung bekommt das Klavier einen Charakter, der die ursprüngliche Natur aber nicht verdrehen kann.
Ich stimme nach Gehör, das heißt, dass ich das Singen des Klaviers höre, wie die Obertöne durch die Holzmaserungen laufen und wiederklingen, den Nachhall, die Länge des Klanges, den Schlag in den Intervallen, die Süße eingeprägt in den Filz-Spitzen des Hammers, wenn er die Stahlsaiten trifft. Ich höre eine Stimme mit all ihren Facetten. Was man mit dieser Stimme machen kann ist unbegrenzt, unvorhersehbar, unendlich wie die Zahlen der Mathematik. Wenn ich Glück habe existieren unendliche Pianos und unendliche Fortes und dazwischen die ganze mögliche Musik, und deswegen liebe ich Klaviere.

Und sagen wir, so ein tolles Instrument steht auf der Bühne bei einem Festival, 10 Pianisten spielen ihre Musik und jedes Mal klingt der Freund anders. Aber natürlich: Bist du denn immer der gleiche Mensch, mit allen, in jeder Situation? Ein Klavier ist wie du, Klaviere sind wie Menschen.
Und wenn ich dich nicht überzeugt habe, schau mal bitte welche Klaviere in Klassik, Jazz un Pop Albums gespielt werden. Ja, fast immer das gleiche Modell des bekannsten Herstellers der Welt (nein, ich meine nicht August Förster)! Über 500 Genres und nur 1 Klavier-Hersteller! Das ist aber ein anderes Thema ...

(Francesco, Klavierbauer und Feind der Ungerechtigkeit)

Und hier die Diskussion darüber auf Facebook

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